Spielregeln- die V3 für die Modellbahn

Der Betriebsablauf im Detail

Die Modellbahn "Retz-Drosendorf in H0" ist keine Modellbahn zum "zuschauen", sondern zum "mitmachen"! Sie wurde maßgeschneidert, um darauf vorbildgerechten Betrieb wie anno 1967 stattfinden zu lassen. Es verkehren Personenzüge und Bezirksgüterzüge, bei denen der Verschub im Vordergrund steht.

Idealerweise wird die Modellbahn von drei  Mitspielern bedient. Jeder der dreien fungiert als Lokführer und bekommt natürlich einen (kabellosen) Handregler. Die Bedienung ist intuitiv:

Die Handregler

Funkhandregler

Soll bei einem der drei Funkhandregler ein Triebfahrzeug ausgewählt oder gewechselt werden, ist zunächst zu prüfen, ob betreffende Fahrzeug nicht einem der beiden anderen Regler zugewiesen ist. Sollte das nicht der Fall sein, so ist wie folgt vorzugehen:

  • Mit den vier kleinen Drehreglern ("LOCO ADRESS") die Adresse der Lok eingeben: zweimal "0" und dann die beiden letzten Stellen der angeschriebenen Loknummer. Beispiel: Lok 52.6899 = Adresse 0099.
  • Danach die Taste "DISP" drücken (zum Freigeben der vorher verwendeten Adresse, sonst kann kein anderer Regler auf diese Lok zugreifen!)
  • und mit der Taste "SEL" die Lok übernehmen (die LED "ST" blinkt nun grün)- fertig!

Nun zur Geschwindigkeitswahl: Die Züge verkehren mit vorbildgerechten Geschwindigkeiten- und die waren damals vor allem bei den Güterzügen recht moderat! Das Bild links zeigt die Geschwindigkeiten, die die Triebfahrzeuge bei bestimmten Reglerstellungen erreichen, die Tabelle rechts gibt Aufschluß über die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten bei den Personen- und Güterzügen. Im Bahnhofsbereich sind maximal 40 km/h erlaubt. Zu beachten ist weiters, daß auch die Beschleunigung, und vor allem die Bremswege den Vorbildfahrzeugen entsprechen. Also rechtzeitig den Regler zurücknehmen! Fahren Triebfahrzeuge nach längerem Stillstand an, ist ein Achtungssignal ("ein langer Ton", Taste F2) zu geben. Bei Bahnübergängen sind Warnsignale entsprechend den Pfeifpflöcken zu geben (Taste F3).

   Sollte während des Betriebes die Lok plötzlich nicht mehr auf den Handregler ansprechen, ist wahrscheinlich der Akku leer. in diesem Fall einfach einen der Not-Aus-Taster drücken.

Fahrplan

Zum vorbildgerechten Betrieb gehört natürlich auch ein Fahrplan. Der ist auch deshalb notwendig, um die hohe Zugdichte auf der eingleisigen Strecke zu ermöglichen. In den roten Kästchen sind auch gleich die Zugbildungen bei den Personenzügen vermerkt. Entweder verkehren sie als Triebwagenpersonenzüge (5042 mit Beiwagen oder 5145) oder als als sogenannte "Triebwagenersatzzüge" mit einer Dampflok der Reihe 77 ("Dampf").

Fahrplan RD 1967

Der Fahrplan für die Lokalbahn Retz-Drosendorf in H0, mit Ergänzungen. Da gerade Ferienzeit ist, verkehrt der Schülerzug (grün) nicht.

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Welches Triebfahrzeug tatsächlich zum Einsatz kommt, hängt vom Umlaufplan ab. Natürlich ist er nicht willkürlich gewählt, sondern berücksichtigt die Umläufe von Wien-Praterstern bis Drosendorf!

   Immer wenn ein kompletter Fahrplantag absolviert wurde (was ungefähr zwei Stunden dauert), wechselt der Wochentag zum darauffolgenden. In Zeiten hohen Frachtaufkommens (Spätsommer) sind sogar nachts oder Sonntags Güterzüge gefahren, daher stehen auch Sonntags eine 93er und eine 52er bereit. Zu Spiel- bzw. Fahrplanbeginn stehen alle Züge abfahrbereit im Zugspeicher Retz.

Zugkreuzungen

Zugkreuzungen finden in den Bahnhöfen Nieder Fladnitz und  Weitersfeld und statt. Zum Ablauf in Weitersfeld: Der als erstes eintreffende Zug, der sogenannte Kreuzungszug, fährt "auf die Seite", also auf das Verkehrsgleis ("Ausweichgleis"). Die Weichen werden danach auf Gleis 1, also das durchgehende Hauptgleis gestellt. Der als zweites eintreffende Zug, der sogenannte Gegenzug, muß an der Trapeztafel vor dem Bahnhof halten. Nach dem Stillstand gibt der Gegenzug ein mäßig langes Signal ab. Falls das Hauptgleis für die Zugkreuzung frei ist, erwidert der im Bahnhof wartende Zug mit dem Signal "lang-kurz-lang" ("kommen"). Der an der Trapeztafel wartende Gegenzug erwidert mit einem kurzen Signal und fährt in den Bahnhof ein. Nach dem Einfahren und Halt des Gegenzuges fährt dieser auch als Erster wieder aus. Danach wird die Weiche für den Zug auf dem Verkehrsgleis gestellt, und auch dieser kann nun ausfahren. Die Notwendigkeit vor der Trapeztafel zu halten, besteht aber nur, wenn tatsächlich eine Zugkreuzung stattfindet.

   Bei Zugkreuzungen oder Überholungen im Schattenbahnhof Nieder Fladnitz (Nf) werden die Weichen automatisch durch die Züge richtig gestellt. Der Lokführer des als erstes einfahrenden Zuges braucht nur wenig zu beachten: Kontroll-LED am Stellpult von Nf grün: Einfahrt mit 40 km/h (Personenzug mit 50 km/h), LED orange: Regler sofort auf 25 km/h zurücknehmen (Bild links), LED rot: Zug sofort anhalten (Bild Mitte). Durch Einhalten dieser einfachen Regeln kommen alle Züge an den richtigen Stellen zum Stehen. 

Sollte bei Entgleisungen oder ähnlichen Störfällen in Nieder Fladnitz zurückgeschoben werden müssen, ist immer auf manuelle Weichensteuerung umzuschalten (Bild rechts), und per Leuchttasten (die grünen "Knöpfe") der Fahrweg zu wählen!

Güterzüge

Bei den Güterzügen ("Kistn") gibt es drei Möglichkeiten:

  • Sind an diesem Tag nicht mehr als insgesamt 16 Achsen zu transportieren (z.B. Dienstwagen + 7 2ax-Waggons) wird nur der planmäßige Güterzug (RD 63/ RD 64) gefahren. Jedoch ist zu berücksichtigen, daß die vom Vortag abzuholenden Waggons aus Drosendorf und Weitersfeld zusammen, plus dem Dienstwagen, nicht mehr als 16 Achsen zählen dürfen ("Lastansage")!  
  • Bei mehr als 16 wird ein zweiter Güterzug gebildet. Bewährt hat sich dabei folgende Vorgangsweise: Dem planmäßigen Güterzug (RD 63/ RD 64) werden nur die Wagen für Drosendorf beigegeben. In Weitersfeld findet mit diesem Zug somit kein Verschub statt. Die Wagen nach Weiterfeld werden mit dem zweiten Güterzug auf einer Bedarfstrasse (RD 89/ RD 88) nachmittags gefahren. 
  • Sind an diesem Tag mehr als insgesamt 16 Achsen nach Drosendorf zu transportieren, so verkehrt neben dem planmäßigen Güterzug (RD 63/ RD 64) ebenfalls ein Bedarfsgüterzug, diesmal jedoch vormittags, auf einer Trasse bis Drosendorf (RD 61/ RD 60). Die Güterwagen für Drosendorf sind sinnvoll auf die beiden Güterzüge aufzuteilen. Der Mit der Lok der Rehe 93 bespannte erste Güterzug wird daher weniger Waggons haben als jener mit der Reihe 52 (siehe auch Belastungstafel weiter unten).

Die dritte Möglichkeit ist jedoch nur bei tatsächlichem Bedarf anzuwenden. Nachteilig ist dabei nämlich, daß der Bedarfsgüterzug beim Stürzen (Umsetzen) des folgenden Personenzuges noch in Drosendorf ist, und somit auf das Magazingleis ausweichen muß. 

   Der Verschub erfolgt nach den einschlägigen Grundsätzen, die im MIBA-Spezial 59, "Richtig rangieren", Seiten 6-14, nachgelesen werden können.

Aufstellen der Züge

Immer wenn ein Fahrplantag erledigt ist, werden entsprechend des neuen Wochentages die Züge für den folgenden Tag im Zugspeicher Retz aufgestellt. Dazu wird gewürfelt: Zwei beige und ein weißer Würfel werden zugleich in ein Würfelteller geworfen.

  • Die zwei elfenbeinfarbenen Würfel bestimmen die Anzahl der Frachtbriefe (und somit der Güterwagen für den nächsten Tag
  • Der weiße Würfel bestimmt, ob ein, zwei oder kein Sonder-Güterwagen (oder "heute keine Fracht") zu befördern sind

Anhand der Frachtbriefe sind geeignete Güterwagen auszuwählen. Neben dem passenden Gattungszeichen muß  auch die Nutzlast ausreichend sein, die Wagenkarten geben darüber Auskunft. Die Wagen sind nach den Grundsätzen der Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit auszuwählen, d.h. die Nutzlast des Wagens soll möglichst ausgenützt werden. EUROP-Wagen sollen möglichst nicht für Stückguttransporte eingesetzt werden.

   Bei Frachten, die aus dem Ausland auf die Lokalbahn kommen, müssen die Wagen die entsprechende Auslandsfähigkeit aufweisen (RIV oder EUROP bzw. für Frachten aus dem Osten MC oder OPW). Die Wagenkarten geben auch hier in leicht leserlicher Form Auskunft über die Eigenschaften der Wagen. Die Frachtbriefe werden nun in die Klarsichttaschen der Wagenkarten gesteckt.

Zur Vereinfachung des Verschubes werden die Güterwagen bei der Zugbildung möglichst günstig gereiht. Dies vereinfacht und beschleunigt den Verschub in den Unterwegsbahnhöfen (links). Damit die jeweilige Lok ihren Zug auch sicher befördern kann, ist auch die Belastungstafel einzuhalten (rechts). Faustformel: leere oder teilbeladene Wagen 15 t, voll beladene Wagen 30 t.

Wie beim Vorbild ist die Anzahl der Güterwagen "knapp ausreichend" bemessen. Um die richtige "Durchmischung" der Güterwagenbauarten nach Fotovorlagen zu gewährleisten, darf jeder Güterwagen bis zum Aufbrauch aller Frachtbriefe nur einmal verwendet werden! Daher sollen leere Wagen, die in den Bahnhöfen stehen, möglichst gleich wieder beladen werden. Neben der Eignung nach Gattungszeichen und Nutzlast ist dabei noch zu beachten, daß eigene (ÖBB-) Wagen und EUROP-Wagen freizügig verwendet werden dürfen. Fremde RIV- Wagen dürfen nur wieder beladen werden wenn:

  • das Frachtziel im Heimatland des Wagens oder dahinter liegt
  • das Frachtziel auf dem Weg in das Heimatland liegt
  • im Gastland darf auch ein Umweg gefahren werden, wenn damit eine Leerfahrt vermieden wird

Andernfalls sind fremde RIV- Wagen leer mit dem nächsten Güterzug nach Retz abzufahren. 

   Entsprechend der Ladestellen werden die Waggons innerhalb des Güterzuges gereiht. Auch bei Maschinen mit Kabinentender wurde ein Dienstwagen beigegeben (!). Die Nutzlänge auf dem Güterzugaufstellgleis 6 im Zugspeicher Retz darf keinesfalls überschritten werden, da sie auf die restliche Anlage abgestimmt ist. 

   Entsprechend des Umlaufplanes werden auch die Personenzüge aufgestellt. Die Zugbildung ist den Ergänzungen am Bildfahrplan zu entnehmen.

 

Fazit

Gratulation! Sie haben bis ans Ende durchgehalten und sind höchstwahrscheinlich an wirklich vorbildgerechtem Betrieb interessiert!

Dazu eine Anekdote: Neulich habe ich einen eisenbahnkundigen Gast begrüßen dürfen. Ohne vorherige Erklärung haben wir gemeinsam einen kompletten Fahrplanumlauf absolviert. Danach habe ich ihn um seine ehrliche Einschätzung des Betriebsablaufes geben. Er meinte: "Für jedermann ist das sicher nichts, aber es ist Betrieb genau wie beim Vorbild!"

   Danke für das Kompliment- genau das war das Ziel!