Die Lokalbahn Retz-Drosendorf in H0

Eine ungewöhnliche Modellbahn

Modellbahn Retz-Drosendorf H0

Die "Lokalbahn Retz-Drosendorf in H0" ist in der Tat eine ungewöhnliche Modellbahn. Einige mag es zum Beispiel überraschen, daß man auf dieser Anlage nicht im Kreis fahren kann- das tun die Züge auf der Vorbildstrecke nämlich auch nicht!

Stattdessen verkehren Verschubgüterzüge, sogenannte "Hobler". Dabei werden bei den einzelnen Bahnhöfen einzelne oder mehrere Wagen abgeholt und neue zugestellt. Ein ausgeklügeltes und trotzdem einfach handhabbares System steuert den Einsatz der Güterwagen und auch der Loks. Genau wie beim Vorbild gleicht dabei kein Fahrplantag dem anderen: Einmal fällt mehr Fracht an, einmal weniger. Wie in "echt" geben die Transportbedürfnisse der Wirtschaft die Laufwege der einzelnen Güterwagen vor, die zudem für den Transportzweck geeignet sein müssen. Die sparsamen Gleispläne der Lokalbahn erfordern auch einen intensiven Verschub, bei dem Vorausdenken gewiss nicht schadet...

Personenzüge

Personenzug mit Spantenwagen. Bild: Eisenbahnmuseum Unterretzbach

Auch bei den Personenzügen ist für Abwechslung gesorgt: Je nach Fahrgastaufkommen führen die Triebwagenzüge bis zu zwei Beiwagen mit. Auch der (werk-)tägliche Postwagen läuft bei den Personenzügen mit und wird in Drosendorf beigestellt.

An Samstagen verkehrt der Personenzug zur Tagesmitte mit einer Spantengarnitur (Bild), bespannt mit einer Dampflok der Reihe 77. Auch bei den sogenannten "Triebwagenersatzzügen" kamen 77er zum Einsatz.

Betrieb nach Fahrplan

Fahrplan R-D 1967

Die Anlage ist für bis zu 3 Mitspieler geeignet, es kann aber auch alleine ein Fahrplantag absolviert werden. Ein kompletter Umlauf, inklusive dem Aufstellen der Züge für den Folgetag dauert knapp zwei Stunden. Gefahren wird mit Funkhandreglern von Digitrax, die technisch ein wenig verbessert wurden und sehr zuverlässig funktionieren.

Vorbildzeitraum

Kommen wir zum Vorbildzeitraum: 1967, genauer gesagt 7.- 13. August 1967, also damals den Beginn der Getreideernte im Waldviertel. Dieses Zeitfenster erlaubt eine stimmige und glaubwürdige Modellumsetzung mit hohem Wiedererkennungswert. Dieser Vorbildzeitraum bietet zudem die Möglichkeit, neben den bereits erwähnten Dampfloks der Reihe 77 und den Dieseltriebwagen der Reihen 5042 auch 5145er einzusetzen. Der Güterverkehr wurde damals mit den Reihen 52 und 93 abgewickelt.

Anlagendesign

Retz-Drosendorf in H0

Das Schema der Anlage "Die Lokalbahn Retz-Drosendorf in H0"

Das Anlagendesign ist linear (Retz-Drosendorf) und für das "Prinzip der absoluten Nähe" (PAN) optimiert. Das bedeutet, daß jeder "Lokführer" nur eine Lok steuert und mit seinem Zug entlang der Anlage mitgeht. Die Ausführung als U-Anlage ("walk-in") ermöglicht zudem ein  ungehindertes Betreten des Bedienbereiches, ganz ohne Bücken! Wir werden eben nicht jünger...

Weitersfeld

Bahnhof Weitersfeld. Bild: Dunkl, Eisenbahnmuseum Unterretzbach

Im sichtbaren Bereich der Anlage liegt der Kreuzungsbahnhof Weitersfeld, der sich durch seine Lage im Bogen empfohlen hat- und natürlich der Endbahnhof Drosendorf. "Hinter den Kulissen" oder besser gesagt "im Keller" der Anlage befinden sich zwei Schattenbahnhöfe. Zum einen Retz, als Zugspeicher und Ausgangspunkt der Züge. Als Besonderheit können hier auch Zugaufbewahrungskasetten (ZAK) angedockt werden, und so bei Bedarf ganze Garnituren ausgewechselt werden. Das hat sich bestens bewährt! Auch Nieder Fladnitz konnte untergebracht werden und dient als Kreuzungsbahnhof. Hier finden nicht nur Zugkreuzungen statt- gegen Tagesende überholt der letzte Personenzug den Bedarfsgüterzug. Die Weichen in Nieder Fladnitz werden, da nur von außen einsehbar, automatisch gestellt. 

Kupplungen

   Nach meiner Erfahrung aus 25 Jahren praktizierter Modellbahnerei muß eine Anlage vor allem eines: beim Betrieb Spaß machen! Nur dann wird eine Anlage Bestand haben! Natürlich sehen Vorbildkupplungen fantastisch auf Fotos aus- wer aber damit jemals Betrieb gemacht hat, wird schnell ernüchtert gewesen sein. Somit war für mich nach dem zurückliegenden "pur"- Abenteuer klar, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Deshalb haben die Güterwagen bei mir alle die Bügelkupplung 6511 von Fleischmann. Keine kuppelt geschmeidiger und zuverlässiger ein, auch im Bogen! Für den angestrebten Lokalbahnbetrieb ist das eine Grundvoraussetzung. Jedoch sei auch erwähnt, daß für eine perfekte Funktion fast jede Kupplung in der Höhe justiert werden mußte. Aber dieser Aufwand zahlt sich aus, definitiv! Bei den Personenwagen kommen natürlich Kurzkupplungen zum Einsatz.

Anlagenbau

Noch ein paar Worte zum Bau: Ähnlich wie in den EJ-Sonderheften "Bauen wie Brandl" beschrieben, führe ich die Anlage aus. Jedoch habe ich für den Rahmen statt Abachi-Holz Pappelsperrholz verwendet. Vom Gewicht und den Festigkeitswerten ist es dem Abachi-Holz sehr ähnlich, aber leichter zu beschaffen und praktisch verzugsfrei. Zudem habe ich mit diesem Holz bei meinen früheren Projekten gute Erfahrungen sammeln können.

   Beim Bautempo werde ich es ruhiger angehen- das wahre Leben spielt sich schließlich draußen ab- nicht im Hobbykeller! Zudem macht der Betrieb der Anlage eine derartige Freude, daß ich es mit der Ausgestaltung ohnehin nicht besonders eilig habe ;-)

Am "Wettbewerb" der immer "perfekteren" Anlagen (mit denen dann trotzdem nicht gefahren wird!) werde ich auch nicht teilnehmen. Der geneigte Leser sollte also keine regelmäßigen Baufortschritts- Berichte erwarten! Bis 2030 soll die Anlage aber schon fertig sein...