Epoche und Zeitfenster

1967-Epoche 3 in Bestform

Die Anlage spielt in der Woche 7.-13. August 1967, also in der ausklingenden Epoche 3 zur Getreideernte. Es war ein heißer Sommer, für damalige Verhältnisse durchaus eine Hitzewelle!

Allgemeines, Wirtschaft

Im Land herrschte eine regelrechte Aufbruchsstimmung, die sich auch in der Gründung des Jugendsenders "Österreich 3" (Ö3) manifestierte. Die Hits dieses Sommers waren "All You Need Is Love" von den Beatles und "Ha Ha Said The Clown" von Manfred Mann. Im Februar dieses Jahres wurde auch Farbfernsehen flächendeckend eingeführt. Die Wirtschaft boomte zumindest in Österreich noch, aber die Inflation war mit etwa 4 Prozent durchaus bemerkenswert. Bezahlt wurde natürlich noch mit Schilling!

In Langau ist der Braunkohleabbau seit fast 4 Jahren eingestellt, und in Drosendorf wird gerade das Lagerhaus ausgebaut. Der kleinere der beiden Silotürme ist im Sommer schon fertiggestellt, vor dem Winter wird noch der hohe Siloturm im Rohbau erstellt.

   Bei der Bausubstanz der Gehöfte und der Wohnhäuser fällt auf, daß die Bausubstanz allgemein recht schlecht war. Feuchte Mauern waren wegen der mangelhaften Isolierung oder fehlenden Unterkellerung allgegenwärtig. Dementsprechend waren die Fassaden vor allem im unteren Bereich oft sehr fleckig. Auch abbröckelnder Putz war keine Seltenheit, ausgebessert wurde (wenn überhaupt) nur das Nötigste. Wäsche wurde, an einer Leine aufgehängt, im Freien getrocknet.

Bekleidung, Bevölkerung

Bei den Damen waren Rock oder Kleid allgegenwärtig- keine Hosen.  Pilzkopf-Frisuren waren bei modebewußten Damen oft zu sehen. Ältere Frauen trugen fast ausnahmslos Kopftuch. Die Lebenserwartung bei Frauen betrug damals 73,4 Jahre.

Ältere Männer sieht man auf den Bildern nur wenige- zum einen war 1967 die Lebenserwartung mit 66,6 Jahren noch nicht so hoch wie heute, zum anderen war der 2. Weltkrieg erst seit 22 Jahren zu Ende. Bei den Herren fällt auch auf, daß man auf Reisen ordentlich gekleidet war. Anzug und Krawatte waren sehr häufig anzutreffen. Die Anzugjacken hatten damals einen 3-Knopf-Verschluß. Im Freien waren Hüte aber kein "Muß" mehr, wie noch bis in die Nachkriegszeit hinein. Männer trugen das Haupthaar länger als heute, am Hinterkopf aber maximal bis zum Hemdkragen. Die Ohren waren stets frei, und da man das Harr zurückgekämmt trug, auch die Stirn.

Statt kurzen Jacken wie heutzutage trug man damals Mäntel, sowohl Männer als auch Frauen. Auch in der Übergangszeit trug man dünne Mäntel, sogenannte "Staubmäntel". Damals ging es eben nicht so klinisch sauber wie heutzutage zu. Der Koffer war das klassische Reisegepäck.

Arbeiter, die mit der Bahn den Arbeitsplatz erreichten, waren natürlich einfacher gekleidet.

Bei den Kindern fallen die langen Stutzen auf, die bei den Buben zu kurzen Hosen, und bei den Mädchen zu Kleidern im Sommer getragen wurden. Meist wurden die Haare der Mädchen zu einem Zopf geflochten. Die Haartracht der Buben war kurz, bei den Jugendlichen schon länger- vor allem die bedeckten Ohren fallen hier auf.

   Damals gab es viele Kinder und junge Menschen, kinderreiche Familien waren keine Seltenheit. Die Geburtenrate war mit 2,62 Kindern pro Frau deutlich höher als heute.

Bahnbedienstete

Die Lokmannschaften auf Dampfloks trugen meist Blauzeug und so gut wie immer eine Kopfbedeckung (Kappe)- Kohlestaub!

Die Schaffner trugen Uniform mit Tellerkappe.

Bei den Verschiebern war Hose, Arbeitsmantel und Tellerkappe üblich, manchmal sieht man auch hier Blauzeug. An besonders heißen Tagen wurde von manchem auch im Unterleiberl Dienst versehen- vorschriftenkonform wird das wohl nicht gewesen sein...

Helme, Warnwesten und dergleichen kannte man natürlich noch nicht.

Individualverkehr

Beim Pkw-Fuhrpark ließ sich eine gewisse Modernität erkennen, entlang der Lokalbahn sieht man nicht nur VW-Käfer. Puch 500, Fiat 600, Fiat 600 Multipla,  Opel Kadett A (Modell 62-65), Ford Taunus 12M P4 sowie Opel Rekord P2 lassen sich auf den historischen Fotos dieser Zeit erkennen. Die Farben waren hauptsächlich gedeckt, diverse Grautöne prägten das Straßenbild. "Farbtupfer" in Form von etwa roten Autos waren die Ausnahme. Metallic-Lack kannte man noch nicht. Beim Nutzfahrzeugsektor allgegenwärtig sind VW-Transporter und Steyr 380/480-LKW. Einspurig ist man außer mit Fahrrädern hauptsächlich mit Mopeds wie Puch MS 50 ("Stanglpuch") oder diversen anderen Mopeds mit Schürzen unterwegs- natürlich ohne Helm...

   Die Kennzeichentafeln waren verschieden groß (das vordere Kennzeichen war etwas kleiner) und hatten weiße Schrift auf schwarzem Grund. Sie waren nicht reflektierend. Da die Fahrzeuge technisch noch nicht so ausgereift waren, gehörten Ölflecken auf den Parkflächen ebenfalls zum Straßenbild.

   Das Tankstellennetz im Waldviertel wurde damals vor allem von den Marken Esso, Elan (eine Marke der ÖMV) und Shell gebildet.

Öffentlicher Kfz-Fuhrpark

Die Kraftfahrzeuge von Post, Bundesbahn, Gendarmerie, Bundesheer und anderen öffentlichen Organen trugen 1967 noch keine "Sachbereichskennzeichen" (PT, BB, BG, BH usw.), sondern waren noch in Wien zugelassen. Da sich 1967 aber abzeichnete daß der Nummernvorrat bald ausgeschöpft sein würde, wurde per Bundesgesetzblatt im Dezember 1967 die Einführung der genannten Sachbereichskennzeichen beschlossen. Die Ausgabe dieser Kennzeichentafeln erfolgte aber erst ab 1968.

Landwirtschaft

1967 wurde eine Rekordernte eingefahren, die Getreideimporte sind in diesem Jahr stark zurückgegangen. Aufgrund der klimatisch bedingt etwa zwei Wochen kürzeren Vegetationszeit beginnt die Getreideernte im Waldviertel erst etwa Mitte August. Zur selben Zeit bis in den Oktober hinein wird die Kartoffelernte eingebracht. Stroh wurde per Eisenbahn in den Pinzgau versandt. Da es noch keine Supermärkte gab, wurde Gemüse im eigenen Garten angebaut.

   Die Mechanisierung der Landwirtschaft hat nun auch im Waldviertel voll eingesetzt,  Bei den Steyr-Traktoren, die etwa die Hälfte des Marktes beherrschen, sind es vor allem die kleineren Einzylinder-Typen 80, 84 und 86, die für die meist kleinteilige Landwirtschaft im Waldviertel ideal sind. Größere Betriebe verwendeten die Typen (N)182, 188/190 oder 288. Es wurden aber auch ausländische Produkte eingesetzt, vor allem Massey-Ferguson des Typs MF 35 X sieht man häufiger. Auch Mähdrescher dieses Hersteller waren in den 60er-Jahren sehr verbreitet. Diverse Anbaugeräte für die Traktoren wurden per Bahn angeliefert. Traktore hatten damals auch vorne Kennzeichentafeln zu tragen. Pferdefuhrwerke sieht man schon seltener.  Zur Erntezeit war der Verkehr auf der Lokalbahn naturgemäß besonders stark, es wurden teilweise sogar nachts Züge geführt, oder an Sonntagen! 

Triebfahrzeuge

Der Güterverkehr auf der Lokalbahn ist noch fest in der Hand der Reihen 52 und 93. Beim Personenverkehr haben die Dieseltriebwagen der Reihe 5042 die Dampfloks fast vollständig verdrängt. Die Reihe 77 wird nur noch für das lange, samstägliche Zugpaar RD31/32 sowie für (kurze) Triebwagenersatzzüge benötigt. Auch die ehemaligen "Blauen Blitze" der Reihe 5145 verkehren nun auf der Lokalbahn.

Personenwagen

Mit den Dieseltriebwagen der Reihe 5042 kommen sogenannte Triebwagenanhänger (BDT, BT) mit Webasto-Heizgerät zum Einsatz. So wie die Triebwagen sind sie Elfenbein-Saphirblau lackiert. Dieses Wagenmaterial kommt auch bei den Triebwagenersatzzügen zum Einsatz, seltener auch "normale", tannengrün lackierte Spantenwagen (Bi). Diese werden aber weiterhin regulär für den langen Personenzug am Samstag (RD 31/32) sowie für den nachmittäglichen Schülerzug (RD 35/37) verwendet. Aber im August sind ja noch Ferien...

Güterwagen

In die Zeit von 1964 bis 1968 fällt auch die Umstellung des Güterwagenparks auf UIC- Nummern ("Computernummern"). Fotos von damals zeigen recht deutlich die Umstellung der Anschriften. Bei den ÖBB sind 1967 hauptsächlich Neubauwagen oder Umbauwagen neu beschriftet. Interessant ist dabei aber, daß die Wagen der Kriegsbauart Klagenfurt (Omm 34) schon neu (als "E") angeschrieben waren. Es wurden also nicht alle derartigen Wagen UIC-konform neu aufgebaut. Ganz anders ist die Situation bei den G-Wagen (ex G10): Hier hatte man es mit dem Umbeschriften nicht recht eilig, erst 1969 (!) tauchen auf Fotos erste UIC-konform beschriftete Wagen auf.

Bei den Wagen anderer Bahnverwaltungen zeigt sich ein bunter Mix aus "alten" und "neuen" Anschriften, das Epoche 3- EUROP-Feld ist 1967 aber schon sehr,sehr selten auszumachen. Die Wagen der DB waren zu diesem Zeitpunkt schon durchgängig neu beschriftet, und trugen bis etwa 1970 zusätzlich die alte Gattungsbezeichnung- die sogenannte "Übergangsbeschriftung!".