Schotterkleber-Test

Was liegt, des pickt...

Die Kandidaten im Vergleich: 2) Holzleim, 3) Woodland Scenic Cement, 4) Decotric Tiefengrund, 5) MOWI Landschaftskleber; 1) und 6) zeigen den unverklebten Schotter (50% Spurenwelten Granit, 40% ASOA Granit, 10% ASOA Gneis)

Der ideale Schotterkleber soll den Schotter nicht nachdunkeln, matt auftrocknen, die körnige Struktur erhalten und nicht zu hart abbinden.

Soweit die Theorie. In der Praxis gibt es leider keinen Klebstoff, der all diese Forderungen perfekt erfüllt. Insbesondere das Nachdunkeln des Schotters ist problematisch, praktisch jeder bekannte Kleber dunkelt das Schotterbett mehr oder weniger stark nach. Auch die Elastizität wird in diversen Foren heftig diskutiert: Härtet Weißleim tatsächlich "knochenhart" aus, wie das immer behauptet wird?

   Für den vorliegenden Test habe ich vier unterschiedliche Kleberarten getestet:
  • Pattex Holzleim PV/H Standard (in jedem Baumarkt erhältlich)
  • Woodland Scenic Cement S191 (Fachhandel, Internet)
  • MOWI Lanschaftskleber  und Fixiermittel (Internet)
  • Decotric Tiefengrund LF (Hagebau)

Acrylbinder aus dem Künstlerbedarf habe ich  nicht in diesen Test einbezogen, da dieser sehr stark nachdunkelt und daher nicht in die engere Auswahl gekommen ist.

Vorbereiten der Klebstoffe

Den Holzleim muß man zunächst mit Wasser stark verdünnen. Zu einem Teil Leim werden vier Teile Wasser zugefügt, vorzugsweise destiliertes Wasser. Gibt man einige Tropfen Ochsengalle aus dem Künstlerbedarf hinzu, wird die Oberflächenspannung so stark herabgesetzt, daß ein Vornässen des Schotters nicht notwendig ist. Alternativ kann auch Agepon aus dem Fotobedarf oder Odol-Mundwasser verwendet werden. Spülmittel sollte wegen des Schäumens nur eine Notlösung sein.

 

"Scenic Cement" von Woodland wird gebrauchsfertig angeboten. Auch ein Netzmittel ist bereits im Produkt enthalten. Da das Produkt über 0°C gelagert werden soll, ist es offensichtlich auf wässriger Basis.

 

Auch der Tiefengrund (wässrige Basis) ist bereits gebrauchsfertig. Additive sorgen auch hier für gute Kriechfähigkeit.

 

Der Landschaftkleber von MOWI wird in Pulverform angeboten. Der Packungsinhalt muß in einem Liter handelsüblichen Spiritus aufgelöst werden. Diese Arbeit ist etwas staubig und sollte nach Möglichkeit im Freien ausgeführt werden.

Die Beurteilungskriterien

Beurteilt wurden:

  • Das Nachdunkeln (Farbveränderung)
  • Glanz des getrockneten Schotters
  • Scharfkantigkeit (körnige Struktur) des getrockneten Schotters
  • Kriechfähigkeit des Klebers beim Aufbringen (Oberflächenspannung des Klebers)
  • Klebekraft bzw. mechanische Belastbarkeit des getrockneten Schotters
  • Trocknungszeit
  • Akustische Eigenschaften ("Härte") des Klebers

Alle Muster wurden mit der gleichen Schottermischung erstellt. Es wurde mit jedem Kleber einmal satt geklebt. Die Muster wurden farblich nicht weiterbehandelt.

Das Ergebnis

Bei der wichtigsten Eigenschaft, dem Nachdunkeln fällt der Woodland-Kleber positiv auf. Der Tiefengrund von Decotric bekommt beim Trocknen einen leichten Blaustich, trocknet aber wie die anderen Produkte klar, mit einem mittleren Nachdunkeln.  Sehr dunkel fällt hingegen die Probe mit dem MOWI-Kleber aus. Leider kann man das am Foto (künstliche Beleuchtung) nicht so deutlich sehen wie in Natura, eventuell weil der MOWI-Kleber auch sehr stark glänzt. Womit wir auch schon bei dem zweitwichtigsten Kriterium wären, dem Glanz. Auch hier ist der Woodland-Kleber klarer Sieger. Der Glanz vom MOWI-Kleber geht gar nicht, der Schotter sieht aus wie nach einem Regenguß.

   Bei der Körnigkeit ein Kopf-an Kopf-Rennen von Woodland und MOWI. Interessant ist, daß der Decotric-Tiefengrund hier einen Hauch schlechter abschneidet, als der "normale" Holzleim. Mit Bindan-Propellerleim (ohne Füllstoffe) wäre hier noch ein weit besseres Ergebnis für den Leim zu erwarten.

   Die Kriechfähigkeit aller getesteten Produkte ist gut- wenn man die Kleber mit einer Pipette am Schotterbett ganz unten vorsichtig auftropft, kann man sogar auf ein Vornässen mit entspanntem Wasser verzichten. Die Vorteile dabei: Es gelangt kein Kleber auf die Schwellen und auch nicht an bewegliche Teile an den Weichen. Da der MOWI-Kleber nicht auf wässriger Basis ist, darf man hier ohnehin nicht mit Wasser vornässen!

   Bei der Klebekraft kann dem Leim niemand das Wasser reichen. Bei dem Versuch, mit einem scharfkantigem Schraubendreher den abgebundenen Schotter abzukratzen, leistet er heftigsten Widerstand. Knapp dahinter der Woodland-Kleber- was die Vermutung nahelegt, daß auch dieses Produkt auf Weißleim basiert (auch wenn es ganz anders riecht). Die Tiefgründe von Decotric und insbesondere MOWI schneiden hier sehr schlecht ab. Für den Ausbau einer Weiche könnte diese Eigenschaft aber auch zum Vorteil werden.

Genau umgekehrt ist es aber bei der Akustik: Klopft man mit dem Löffelstiel auf die getrockneten Schottermuster, erklingen Bei MOWI und auch Decotric recht dumpfe Töne. Der Holzleim erzeugt einen sehr hellen Ton, gleich dahinter der Woodland-Kleber. Dies dürfte tatsächlich auf ein sehr hartes Abbinden hindeuten.

   Fast schon rekordverdächtig schnell ist die Trocknungszeit beim MOWI-Kleber- allerdings sollte man den Raum gut lüften, da das Verdunsten des Spiritus´ mit einer Geruchsbelästigung einhergeht. Der Leim und der Tiefengrund brauchen deutlich länger, man sollte hier in der Praxis mindestens 24 Stunden zuwarten. Der Woodland-Kleber benötigt am längsten zum Abbinden, liegt aber im normalen Rahmen.

   Den Preis habe ich bewußt nicht bewertet, da die Mengen, die für eine durchschnittliche Anlage benötigt werden, im Bereich von wenigen Litern sein werden und daher keine Rolle spielen sollten.

Anzumerken ist auch noch, daß eine Schotterbett-Verschmutzung auf wässriger Basis (z.B. von ASOA) am besten auf Schotter aufgetragen werden kann, der mit Kleber ebenfalls auf wässriger Basis verarbeitet wurde. Beim Schotter, der MOWI-Kleber gestaltet wurde, perlt die Schotterbett-Verschmutzung von ASOA richtig ab und kann nur sehr "naß" vernünftig aufgetragen werden.

Fazit

Gewichtet man die Beurteilungskriterien Farbveränderung/Nachdunkeln, Glanz und Körnigkeit am stärksten, führt am "Scenic Cement" von Woodland fast kein Weg vorbei. Wer auf leise Laufgeräusche seiner Züge besonderen Wert legt, und eine Weiche leicht wieder ausbauen will, wird zum Tiefengrund greifen. Für preisbewußte ist sicher Holzleim eine Alternative. Den Nachteil des heftigen Glanzes beim MOWI-Kleber könnte man sich bei der Dartstellung eines Regen-Motives zu Nutze machen.