Dieseltriebwagen 5145

Der Lokalbahn-Blitz

Nachdem viele Hauptstrecken in den 50er und 60er Jahren elektrifiziert wurden, kamen die einstigen "Blauen Blitze" der Reihe 5145 daraufhin vorwiegend auf Nebenstrecken zum Einsatz. So auch auf der Lokalbahn Retz-Drosendorf.

Die ursprünglich hohen Dachkühler ("Walfisch", Kopftumor") wurden für den Einsatz in Italien auf eine niedrige Dachform umgebaut.  Weitere Modernisierungen betrafen die Fenster (Umbau auf Übersetzfenster) sowie die Stirnfenster. Die Meisten, jedoch nicht alle 5045er wurden auf drei gummigefaßte Stirnfenster umgebaut. Einige Exemplare behielten die ursprünglichen vier Fenster an der Front bis zur Kassierung. Der Umbau wurde in den 60er-Jahren durchgeführt und die  Reihe 5045 dabei zu 5145 umgezeichnet. In der Übergangszeit waren auch "Zwitter" zu beobachten, also Einheiten, bei denen z.B. der Steuerwagen bereits auf Übersetzfenster umgebaut war, der Motorwagen aber noch die ursprünglichen Fallfester besaß. Und genau so ein Exemplar war auf der Lokalbahn im Jahr 1967 unterwegs!

   Noch besser: Genau so ein Modell konnte ich als "Bahn im Film- Sonderedition" erstehen. Der Triebwagen ist ein auf Gleichstrom umgebautes Serienmodell von PIKO, beim Steuerwagen wurden Dach und Wagenkasten  als Kleinserie neu angefertigt. Die Detaillierung ist gut, ebenfalls wissen Lackierung und Beschriftung zu gefallen. Lediglich das Beige des Fensterbandes ist eine Spur zu hell. Im Nachfolgenden beschreibe ich die Digitalisierung und Soundeinbau sowie die Behebung kleinerer Probleme, die aus der Abstammung von einem Wechselstrommodell herrühren.

Los geht's: Im Dachbereich des Motorwagens findet der Decoder (ESU Loksound 4) platz. Das Soundprojekt stammt von Hagen/Soundmanufaktur und gibt vor allem das Schalten der Wandlerstufen hervorragend wieder. Leider ist der Sound insgesamt aber etwas zu "getriebe-lastig", d.h. die Auspuffschläge des Motors sind kaum hörbar.

   Da ich Kabelsalate nicht besonders schätze, habe ich den Schnitt-stellenstecker ausgelötet und die passend gekürzten Kabel des Decoders direkt verlötet. Eine gewisse Routine im Umgang mit einem Lötkolben und eine feine Spitze sind dabei sicher kein Nachteil...

Als Lautsprecher habe ich einen "Zuckerwürfel" verbaut. Wenn man die Grundplatte entsprechend ausnimmt und den Lautsprecher mit der Inneneinrichtung verklebt, steht auch unten nichts über. Die am Bild sichtbaren, nicht angetriebenen Achsen verfügen über Spurkränze für Gleichstromgleise. Leider nicht so die (Wechselstrom-) Spurkränze des Triebdrehgestells, diese liefen auf den Kleineisen des Tillig-Elite Gleises unschön auf, begleitet von einem ratternden Geräusch. Unglücklicherweise kann man die Antriebsachsen nicht als separates Ersatzteil erwerben, sondern nur den kompletten Antriebsblock. Die Preisgestaltung im dreistelligen Bereich ließ diese Option aber schnell recht unattraktiv erscheinen. Mit Achsen einer ÖBB 2043 oder 2143 von Roco (mit je einem Haftreifen) ist das Problem schnell gelöst. Der 0,5 mm zu große Durchmesser der 2043er-Achsen fällt optisch kaum auf.

Die Inneneinrichtung des Modells ist in rotbraun gehalten und entspricht damit den Stoffbezügen späterer Epochen. In der Zeit des Umbaues wurde das Gestühl aber noch mit grünem Kunstleder bezogen- so wie wir es aus den Spantenwagen kennen. Am Bild ist eine entsprechende Sitzgruppe im Eisenbahnmuseum Sigmunds-herberg zu sehen.

Bemalt habe ich die Innenein-richtung per Pinsel. Zwar decken die Revell "Aquas" nicht beim ersten Auftrag, dafür trocknet diese Farbe fast im Handumdrehen.

Beim Grün für die Sitzbezüge habe ich keine eigene Farbe angemischt, sondern "Patinagrün" verwendet. Beim Vorbild variierte dieser Grünton sehr stark, ich wage zu behaupten, daß es "ein" richtiges Grün für die Sitzbezüge ohnehin nicht gibt.

Mit Figuren von Preiser und Noch wird der Wagen belebt. Die Fahrgäste müssen sich dabei auch eine Amputation der Beine gefallen lassen...

   1967 war der Individualverkehr bereits eine ernstzunehmende Konkurrenz zur Bahn- es gibt also auch einige freie Sitzgruppen.

Beim Steuerwagen wird bei der Inneneinrichtung genauso vorge-gangen. Die Beleuchtungsplatine war beim Steuerwagen verkehrt-herum eingebaut und hat das Dach beleuchtet. Ich habe die Platine gedreht und mit 2-Komponenten-kleber am Dach befestigt (das Dach ist beim Steuerwagen nicht abnehmbar). Wichtig: Die LED´s müssen dabei immer zwischen den Fenstern bzw. Sitzgruppen zu liegen kommen, sonst ist die Lichtverteilung nicht gleichmäßig.

Damit das Kabel zur Stirnbe-leuchtung nicht durch die Fenster des Gepäckraumes zu sehen ist, habe ich eine kleine Führung neben der Drehgestellaufnahme aufge-klebt...

...und ein Stück Schrumpfschlauch zur Führung der Kabel an die Innen-seite des Gepäckraumes geklebt.

Noch ein paar Worte zur CV-Programmierung:

 

Beschleunigung (CV 3)=70, Bremsen (CV 4)= 30

 

Bei der CV 29 (Konfiguration) wähle ich freie Motorkennlinie und umgekehrtes Richtungsverhalten (der Blitz auf der Lokalbahn fuhr  im Sommer 1967 mit dem Steuerwagen voraus nach Drosendorf!), d.h. Wert 19.

 

Zur Motorsteuerung: CV 51= 0, CV 52= 20, CV 53= 120, CV 54= 144, CV 55= 32, CV 56= 255.

 

Die Lautstärke (CV 63) wähle ich mit dem Wert 70 eher dezent, sonst wird es beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer Triebfahrzeuge zu laut.

 

Bremsschwelle CV 64= 70, CV 65= 8

 

Geschwindigkeitsanpassung (CV 66 und 95) jeweils 106

 

Und nun zur Geschwindigkeitskennlinie (CV 67-94): CV 67= 1 (anfahren), CV 79 ("halber Regler")= 108 (40km/h), CV 90 (Regler auf "3 Uhr")= 176 (60 km/h), CV 94 (Regler voll aufgedreht)= 255 (80km/h; schneller ist auf der Lokalbahn nicht sinnvoll, da max. 60 km/h erlaubt waren). Die Werte dazwischen werden einfach nach eigenem Gusto modelliert. Aufgrund der Masseträgheit sollte die Beschleunigung anfangs nicht so stark sein, zwischen CV 79 und 90 bzw. 90 und 94 kann der Verlauf aber linear sein.

 

Mit diesen Werten läßt sich ein ausgewogenes und vorbildgerechtes Fahrverhalten erreichen. Die wichtigsten Geschwindigkeiten (40 km/h und 60 km/h) können anhand der Stellung des Drehknopfes am Handregler präzise vorgewählt werden.