Das "gewisse Etwas"

Illusion erzeugen

Manche  Modellbahnanlagen wirken besonders harmonisch und ausgewogen. Oft weiß man dabei aber nicht genau, woran das genau liegt. Hier zusammengefaßt einige Tipps, um dieses "gewisse Etwas" zu erzeugen.

Planung, Allgemeines

  • Die Landschaft war immer zuerst da! Die Gleistrasse folgt den Land-schaftskonturen oder überwindet diese mit Kunstbauten, Dämmen oder Einschnitten ("Eine Eisenbahnlinie in der Landschaft"). Wichtig: Die Landschaft ist keine "Platte", sondern ist meist einmal höher, einmal tiefer als das Gleisniveau
  • Falls man einen realen Abschnitt einer Strecke darstellen will, sind Luftbilder eine große Hilfe, um den Zusammenhang von Landschafts-abschnitten zu verstehen
  • Fotoausflüge im Monat den man darstellen will, geben einen guten Eindruck von der Vegetation, insbesondere deren Farbgebung
  • Aufgrund des meist eingeschränkten Platzangebotes im Eigenheim muß man eine Kompression von Motiven vornehmen, trotzdem aber das "Wesentliche" dabei einfangen
  • Lokalkolorit durch landschaftstypische Details, Gebäude und Fahrzeuge. Von den meisten Strecken gibt es auch viele historische Aufnahmen aus der angestrebten Zeitepoche, die dabei helfen
  • Mit einer "Kleinst-Kontroll-Anlage" kann man ggf. die Wirkung der geplanten Anlage überprüfen.
  • Eine eigene "Farbpalette" für die Anlage sorgt für Harmonie und vermeidet harte Kontraste
  • Immer von der Natur "abschauen", nie von anderen Anlagen!
  • Jahreszeitliche Zusammenhänge beachten (kein Rapsfeld im Hochsommer etc...); am besten der Darstellungszeitraum eng eingrenzen, da sich die Vegetation im Jahresverlauf rasch ändert
  • Gesättigte oder gar grelle Farben (z.B. tiefes Schwarz, Reinweiß, grelles Rot) sollte man stets vermeiden und die Farbe durch Zugabe von Weiß, Grau oder Schwarz immer brechen. Je weiter hinten auf der Anlage, desto geringer die Farbsättigung!
  • Farben werden nicht dargestellt, wie sie wirklich sind, sondern immer, wie sie unter den Einfluß von Licht und Schatten wirken (z.B. "Spitzenlichter" auf Ecken oder dunkles Wash zur Darstellung von Schatten, vgl. Malerei).

Motive

  • Generell keine harten Konturen oder Linien, sondern "ver-schwommene" Konturen (auch in farblicher Hinsicht)- ausgenommen einzelne, bewußt gesetzte Linien wie z.B. eine Bahnsteigkante. 
  • Aufgrund des menschlichen Blickfeldes (ca. 1,25 m bei 60 cm Betrachtungsabstand) sollte die Anlage sollte durch Szenen-Teiler in Betrachtungs-Abschnitte unterteilt werden. Dies lenkt den Blick des Betrachters und fördert auch die Illusion von Entfernung
  • Szenen-Teiler können sein: eine Straße über die Gleistrasse, niveaugleich oder als Überführung; ein Bach oder Fluß, Gebäude im Vordergrund, eine Gebüschzeile, ein Hügel oder ein Einschnitt
  • Die Segment-Kanten sollten immer im Bereich von Szenen-Teilern verlaufen, somit stören sie nicht im Hauptmotiv (gilt auch für Kanten in der Hintergrundkulisse!)
  • Motivkomposition, auch wichtig für Fotos: Diagonal, geschwungen, Dreieck; sollen ebenfalls den Blick lenken und gefällig wirken
  • Die unterschiedlichen Vegetationsarten wie Wiesen, Felder, Brachland sollte verschieden strukturiert und gefärbt sein- keine Monotonie!
  • Die Vegetation soll nicht direkt bis zum Anlagenrand reichen, sondern 1-2 cm davor sanft auslaufen (z.B. in eine Sandfläche). Das lenkt den Blick "In die Anlage hinein".
  • Bei der Platzierung von Einzelmotiven oder Objekten sollte der "goldene Schnitt" bzw. die "Drittel-Regel" beachtet werden. Betrachtet man die Anlage mit etwas zusammengekneiften Augen, kann man diesen Effekt überprüfen. Was "stört", umsetzen
  • Bei der Anordnung von Bäumen oder Büschen sind diese immer in Gruppen anzuordnen, nicht nach dem "Gießkannen-Prinzip"
  • Beim Anordnen von Bäumen oder auch Häusern in Gruppen gilt: "Vielfalt in der Einheit, Einheit in der Vielfalt", also keine immer wiederkehrenden Muster, aber trotzdem ein Zusammenhang
  • Beim Aufstellen von Bäumen in Gruppen (oder im Wald) die Äste ineinander"verzahnen", das wirkt besonders natürlich. Die Bäume suchen sich jeden Freiraum im Kampf um das Licht
  • Kleine Nebenmotive setzen: Mit Figuren kleine Szenen gestalten, die Anlage "lebendig machen", auch hie und da eine gewisse Unordnung zulassen
  • Auch realistische Beschädigungen oder Abnützung an der Infrastruktur erhöhen die Glaubwürdigkeit
  • Perspektivische Tricks ("forced perspective") wie z.B. Hintergrund-gebäude in einem kleineren Maßstab (generell sollte der Maßstab von Gebäuden um so kleiner werden, je näher sie der Hintergrundkulisse sind); Bäume, Tiere, Menschen oder Fahrzeuge im Hintergrund in einem kleinerem Maßstab (N), nach hinten verjüngende Straßen oder Bachläufe... 
  • Nach hinten hin weniger Sättigung bei den Farben, auch die Vegetation sollte nach hinten hin etwas heller werden

Gleistrassen, Straßen

  • Gleise NIEMALS parallel zum Anlagenrand, Gleise im Winkel zum vorderen Anlagenrand wirken viel dynamischer
  • Gleisverlauf in den Schattenbahnhof wegtarnen: durch Tunnel, Brücke, Überführung oder Sichtsperre durch Bäume, Häuserzeile etc.
  • Ungewollte Fahrzeugbewegungen, wie z.B. durch schlechte Gleislage oder Einsinken eines Radsatzes in ein Weichenherzstück wirken extrem desillusionierend, daher auf eine möglichst saubere Gleisverlegung achten
  • Maßstäblich lange Bahnhöfe sind meist aus Platzgründen gar nicht möglich- selbst wenn, wirken sie meist eigenartig, weil sie aufgrund der menschlichen Blickperspektive in Real ganz anders wahrgenommen werden. Es gilt hier also einen guten Kompromiß zu finden
  • Enge Bogenradien durch Tunnel, Bäume oder ähnliches wegtarnen. Bei Bögen, die von außen eingesehen werden, müssen größere Radien gewählt werden

Anlagenhintergrund

  • Auf alle Fälle sollte man einem fotorealistischen Hintergrund den Vorzug geben, gemalte Hintergründe überzeugen in den seltensten Fällen. Fotos am besten zur Mittagszeit erstellen (kurze Schatten)
  • Ausgerundete Ecken sind besonders wichtig- "Ecken" im Himmel zerstören jede Illusion!
  • Der Anlagenhintergrund sollte auch an den beiden Seitenteilen der Anlage weitergeführt werden, dies verhindert das Betrachten aus extrem ungünstigen (seitlichen) Blickwinkeln (Wolken-Hintergrund wirkt verzerrt)
  • Das Material, auf das der Hintergrund aufgebracht wird, sollte unbedingt homogen sein, also keine Holzstruktur aufweisen. Eine dünne MDF- Platte wäre hier beispielsweise geeignet
  • Es sollte kein Schattenwurf zum Hintergrund erfolgen- Objekte ganz hinten sollten also immer Kontakt mit dem Hintergrund haben. Erreichen kann man dies z.B. mit Halbreliefgebäuden, auch Bäume am Hintergrund sollten "halbiert" werden
  • Die Anlage sollte zum Hintergrund hin ansteigen (Kulisseneffekt)
  • Kuppen sollten knapp vor der Hintergrundkulisse nach hinten abfallen, für einen sanften Übergang zur Hintergrundkulisse
  • Der Übergang zum Hintergrund sollte möglichst "verschwommen" , und im Idealfall nicht wahrnehmbar sein, die farbliche Gleichheit ist dabei wichtig. Das Gras im Hintergrund sollte eher heller sein, keine "knalligen" Grüntöne, Bäume hingegen eher dunkler (ggf. mit Airbrush mit dunkelgrüner Farbe leicht übernebeln)
  • Objekte in der Tiefe sollen keine gesättigten Farben aufweisen ("Blaue Berge")
  • Profis fügen sogar am Computer Abbildungen der Modellbäume in das Hintergrundbild ein
  • Gewisse Elemente auf der Foto-Hintergrundkulisse (z.B. Straße) sehen nur aus einem bestimmten Blickwinkel gut aus. Sichtsperren (Häuser, Gebüsche...) "zwingen" zum richtigen Blickwinkel
  • Halbreliefgebäude können dreidimensionaler wirken, wenn die fehlenden Gebäudeseiten auf den Hintergrund perspektivisch korrekt aufgemalt werden
  • Das Ende von Straßen oder Gewässern am hinteren Anlagenende wegtarnen, durch geschwungenen Verlauf oder durch Büsche etc.,
  • Oder aber das Ende von Straßen oder Gewässern mit dem "Spiegel-Trick" optisch "auflösen". Dazu muß das Ende der Straße oder des Flußes unbedingt in einem 90°-Winkel an den Spiegel stoßen!

Anlagenbeleuchtung

  • Beleuchtung durch Neonlampen: mittig über der Anlage mit Lichtfarbe "Warmweiß", vorne (hinter einer Lichtblende) Lichtfarbe "Tageslicht", dies verstärkt den Eindruck von räumlicher Tiefe
  • Die Lichtstimmung "Mittagszeit" mit ihren relativ kurzen Schatten läßt sich am einfachsten darstellen
  • Schattenwirkung am Anlagenhintergrund unbedingt vermeiden
  • Insbesondere die Vegetation der Anlage, aber auch andere Elemente im sichtbaren Bereich immer unter denselben Lichtbedingungen bauen

Fahrzeuge

  • Eine Alterung des Rollmaterials ist obligatorisch. Da die Züge meist in Bewegung sind, kann die Alterung etwas stärker ausgeführt werden, damit sie in der Bewegung "wirkt".
  • Die Loks und Waggons sollten keinesfalls glänzen, eine Mattierung ist vor allem bei Güterwagen angebracht
  • Das Aufhellen von Fahrzeugen nach der Idee der "Luftperspektive" sollte nicht übertrieben werden- in der Dampflokära war das Rollmaterial meist schmutzig und verrußt. Die Lacke können/sollen aber durchaus ausgeblichen dargestellt werden- früher waren die Lackqualitäten nicht so gut wie heute
  • Gesättigte oder gar grelle Farben (z.B. Tiefschwarz, Reinweiß, grelles Rot) sollte man aber vermeiden und die Farbe durch Zugabe von weiß, grau oder schwarz immer brechen. Bei Dampfloks z.B. statt tiefschwarz Anthrazit
  • Kleine Farbabweichungen bei gleichartig lackierten Fahrzeugen wirken besonders realistisch
  • Die Loks sollten mit einer vorbildentsprechenden Geschwindigkeit unterwegs sein, Das Beschleunigen und Bremsen sollte der Masse der Vorbildfahrzeuge entsprechen
  • Die Lautstärke von Soundloks sollte nicht zu stark eingestellt sein, dies zerstört jede Illusion von Entfernung
  • Bei Dampfloks wirkt das "Kohleschaufeln" recht unrealistisch- 1 Meter Betrachtungsabstand entspricht im Maßstab H0 immerhin 87 Meter- bei dieser Entfernung wird man das Kohleschaufeln in Real nicht mehr vernehmen, generell ist eine Dampflok aus dieser Entfernung schon überraschend leise