Kabellose Handregler

Freiheit für den Lokführer

Gerade beim Fahren nach dem "Prinzip der absoluten Nähe" (PAN), wo man immer mit der gerade fahrenden Lok mitgeht, wird bald der Wunsch nach einem kabellosen Handregler wach. Am Markt befinden sich verschiedene Produkte, die aber alle nicht so recht überzeugen.     

Wichtig war mir ein einfacher Regler, der ausschließlich zum Steuern jeweils einer  Lok dient. Unnötige Spielereien waren mir nicht nur unwichtig, sondern sogar unerwünscht (treiben nur den Preis und kosten Akkulaufzeit).

Das Lastenheft hat folgende Punkte beinhaltet:
  • Funkhandregler für DCC
  • 270°-Drehregler mit Endanschlag (kein Inkrementalgeber)
  • Kippschalter für die Fahrtrichtungsvorwahl (kein Drehregler mit "0" als Mittelstellung)
  • Loconet-Kompatibilität
  • Einhändiges und "blindes" Bedienen möglich 
  • Möglichst lange Akkulaufzeit (mind. 10 Stunden)
  • Einfaches Zuweisen einer Lokadresse

Ein Blick über den großen Teich hilft weiter

Geworden ist es dann der kabellose Handregler von Digitrax: Der UT4DCE bringt viel mit, was von einem idealen Funk-Handregler erwartet wird. Das wäre ein Drehregler mit 270°- Drehbereich und Endanschlag, ein Kippschalter für die Fahrtrichtungsvorwahl, eine lange Batterielaufzeit und Loconet. Leider hat auch dieser Handregler ein paar kleine Schwachstellen, die aber relativ einfach beseitigt werden können, mehr dazu weiter unten.

Die Anlage ist für bis zu drei "Lokführer" ausgelegt, eine dementsprechende Anzahl an Fahrreglern wird bereitgehalten

Allgemeines

Der Digitrax UT4DCE ist ein Funkhandregler für den Europäischen Markt, sprich mit einer zugelassenen Funkfrequenz. Er kann auch (ältere) Empfänger mit IR-Übertragung ansprechen. Die Stromversorgung erfolgt über eine 9 Volt-Batterie oder sinnvollerweise über einen handelsüblichen 9-Volt-Akku. Fällt die Spannung in der Batterie/Akku unter 7 Volt, stellt der Handregler abrupt den Dienst ein, Loks fahren dann natürlich mit der letzten empfangenen Einstellung weiter. Es empfiehlt sich daher, vor längeren Sessions stets frisch aufgeladene Akkus zu verwenden.

Die Bedienung

Auf dem Handregler können mittels vier Drehknöpfen direkt Lokadressen eingestellt, und mit der Taste "SEL" ausgewählt werden. Die LED "ST" (Status) leuchtet dann grün. Aufgrund der geringen Größe des Handreglers sind diese Drehknöpfe naturgemäß recht klein ausgefallen, lassen sich aber dennoch problemlos bedienen. Auf dem Tastenfeld lassen sich die Funktionstasten F0 bis F6 direkt ansprechen, die Funktionen F7 bis F12 werden mittels Shift-Taste angewählt. Die Funktionstaste F2 ist als Momentkontakt ausgeführt (ideal für Lokpfeife), kann aber auch arretiert werden, wenn man sie für 15 Sekunden gedrückt hält. Wird eine Lokadresse wieder abgegeben, kann sie auch "dispatched" werden, z.B. ein kabelgebundener Handregler kann die Adresse dann übernehmen. Der Fahrtrichtungsumschalter hat eine Mittelstellung ("bremsen") und löst auch beim Umschalten in voller Fahrt keinen Nothalt aus. Stattdessen bremst die Lok mit der voreingestellten Verzögerung ab und nimmt dann in die andere Richtung wieder Fahrt auf. Dies ist insbesondere für Soundloks ein echter Vorteil. Leider fehlt eine Nothalt-Taste.

Die Reichweite- wie weit geht´s nun wirklich?

Die Reichweite ist mit umgerechnet 90 Meter (300 ft) angegeben. Eine praktische Erprobung hat eine Reichweite von genau 30 Meter ergeben. Genauso wie beim Handyempfang können jedoch Stahlbetonmauern zwischen Sender und Empfänger den Empfang stören. Ob am Handregler das Loconetkabel angebracht ist oder nicht ist egal- die Reichweite ist gleichbleibend. Das fix eingebaute Kabel dient also nicht als Antenne. Dies bestätigt auch ein Blick auf die Digitrax-Homepage. Vielmehr dient eine Kupferbahn auf der Geräteplatine als Antenne. Desweiteren ist dort sinngemäß zu lesen, daß das Kabel bei der Funk-Zulassungsprüfung Teil der Gerätekonfiguration war, und deshalb seitens Digitrax nicht verändert werden darf. Es gibt also nicht nur hierzulande einen Amtsschimmel, der hie und da ordentlich wiehert...

Die verbesserte Version

Nun zu den Kritikpunkten: Zwar hat der Regler einen Stromsparmodus, ganz ausschalten kann man ihn aber nicht. Jedesmal die Batterie bzw. den Akku zu entnehmen, ist aber auch keine wirklich elegante Lösung. Daher wurde ein kleiner Kippschalter eingebaut, der die Zuleitung von Batterie-Plus zur Platine unterbrechen kann. Im Gehäuse findet sich nur wenig Platz, jedoch geht sich der Einbau seitlich/links neben dem Drehregler knapp aus. Damit der Knebel des Kippschalter beim Bedienen nicht stört bzw. unabsichtlich betätigt wird, wurde der Kippschalter etwas versenkt ins Gehäuse eingeklebt, und der Knebel selbst etwas gekürzt. Bei unabsichtlichem Abschalten während des Betriebes muß der Regler übrigens nicht neu hochfahren, sondern ist sofort nach dem Wiedereinschalten wieder bereit.

Digitrax UT4DCE verbessert

Der Kippschalter zum Ausschalten wird in den Boden des Gehäuses eingeklebt, die Klebestelle sollte mit einem Glasfaserradierer angeraut werden

Das Kabel muß weg

Der zweite Kritikpunkt ist das Loconetkabel des Handreglers, das bei Erstinbetriebnahme für etwa eine Sekunde in eine Loconetbuchse gesteckt werden muß. Leider ist das Kabel fix mit dem Handregler verbunden, es kann also nicht abgesteckt werden und stört daher. Damit war ich nicht zufrieden, ich hätte gerne eine eine entsprechende Loconetbuchse in das Gehäuse der Reglers eingebaut. Leider läßt dies die Packdichte im Inneren absolt nicht zu. Die Lösung? Eine kleinere Steckverbindung mußte her. Eine eingehende Analyse führte dann zum micro-USB-System, wie wir es alle von unseren Handys kennen. Zwar hat dieses System nur 5 Pole, von denen nur 4 real nutzbar sind. Jedoch sind beim 6-poligen Loconet (RJ12-Telefonstecker) jeweils die äußeren beiden der 6 Pole doppelt belegt, es reicht also in Wirklichkeit eine 4-polige Steckverbindung. Bingo!

Funk-Handregler für Loconet

Die eingebaute micro-USB-Buchse

Aufgrund der Kleinheit so einer Micro-USB-Buchse verbietet sich eigentlich einer Verarbeitung mit dem Lötkolben- aber genau das war mein Ansporn: Das fast Unmögliche trotzdem zu schaffen!

Die Verwendung von Lötfett ist in diesem Falle keine Schande, sondern schlicht eine Voraussetzung, um es überhaupt zu schaffen. Die kleinen Pins der Buchse sind auch mechanisch sehr empfindlich, ich habe die Kabel  (0,05 mm²) daher in der Mitte ihrer Länge mit etwas Superkleber an der Hauptplatine angeklebt.

IR kann gehen

Die zusätzlich eingebaute Infrarot-Übertragung ist nur ein Zugeständnis an Altgeräte (Empfänger mit IR-Übertragung) und bei Verwendung eines Funk-Empängers komplett unnötig. Daher habe ich die IR-Dioden  ersatzlos entfernt, dies erhöht zudem die Akkulaufzeit weiter. In der stirnseitigen Blende klafften nun die leeren Löcher der Dioden, deshalb habe ich eine Aufdopplung aus schwarzem Polystyrol (1 mm dick) angefertigt und auf die Blende aufgeklebt.

Die neu gestaltete stirnseitige Blende

Adapterkabel Micro-USB/RJ12

Komplettiert wird der Umbau des Reglers durch ein Adapterkabel von Micro-USB auf die RJ12-Stecker des Loconet- Systems. Wie gesagt wird dieses Kabel nur bei der allerersten Inbetriebnahme benötigt, im weiteren Betrieb nicht mehr.

Eine kleine Verbesserung habe ich noch beim Drehregler vorgenommen: Die Achse des Potentiometers habe ich um ca. 3 Millimeter gekürzt, damit der Reglerknopf nur knapp über dem Gehäuse liegt und nicht unnötig absteht.

   Mit diesen Verbesserungen entspricht der Handregler nun voll meinen Bedürfnissen.  

Sinnvolles Zubehör

Eine sinnvolle Ergänzung für das kabellose Handregler-System ist auf alle Fälle ein Ladegerät mit elektronischer Regelung. Hier kann das Ansmann Powerline 2 empfohlen werden. Es leitet am Ende des Ladevorgangs eine Erhaltungsladung ein, die beiden Schächte für je einen 9 Volt- Akku sind sogar einzelüberwacht. Als Akkus bieten sich solche der "300er-Serie", ebenfalls von Ansmann, an. Diese Type erreicht (gemessene) 265 mAh, was die Akkulaufzeit von guten Standardtypen noch einmal um ein Drittel erhöht. Mit zwei Stück dieses Akkus (pro Regler) könnte man das kabellose Vergnügen praktisch rund um die Uhr genießen.

Fazit

Der kabellose Handregler Digitrax UT4DCE ist ein hervorragendes Produkt, jedoch wie viele andere Artikel im Modellbahnbereich nicht ganz zu Ende gedacht. Mit dem gezeigten Umbau lassen sich die genannten Schwachstellen beheben. Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß durch den Umbau die Gewährleistungsansprüche erlöschen; jegliche Ansprüche für Sach- oder Personenschäden werden ausgeschlossen.   hier weiterlesen