Die Lokalbahn

Bewegte Geschichte

Ende des 19.Jahrhunderts gab es fernab der großen Metropolen kaum befestigte Straßen, keinen elektrischen Strom und die Menschen lebten, isoliert von der weiten Welt, fast ausschließlich von der Land- und Forstwirtschaft.

So ist es nicht verwunderlich, daß auch im nordwestlichen Waldviertel Begehrlichkeiten nach einem Bahn-anschluß entstanden. Diesen Wünschen, vorrangig von Guts-besitzern und der katholischen Kirche vorgetragen, wurde schließlich entsprochen. Nach der Prüfung von verschiedenen alter-nativen Trassierungsvarianten und der finanziellen Klärung wurde 1908 die Konzession für die heutige Streckenführung erteilt.

Bahnbau und Eröffnung

Nach Baubewilligung im Oktober 1908 konnte mit dem Bahnbau begonnen werden. Nach Erprobung der Brücken und technisch-poli-zeilicher Prüfung der Strecke konnte diese im August 1910 schließlich eröffnet werden.

   Die Lokalbahn wurde anfangs als Aktiengesellschaft betrieben, mußte aber nach Ende des ersten Weltkrieges aufgrund von stetigen Betriebsabgängen in die nieder-österreichischen Landesbahnen eingegliedert werden. Doch der wirtschaftliche Niedergang zu dieser Zeit machte auch vor den Landesbahnen nicht halt, sodaß diese 1922 von den österreichischen Bundesbahnen übernommen wurden. Nach anfänglicher Pacht wurde die Lokalbahn Retz- Drosendorf 1935 eingelöst und die Aktiengesellschaft bis 1936 abgewickelt.

An der toten Grenze

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg war vor allem geprägt durch den eisernen Vorhang, einer toten Grenze, die vor allem das Wald-viertel stark benachteiligte. 

   Ab 1952 gab es Direkt-Personenzüge von Wien Praterstern bis Drosendorf, geführt von Dampfloks der Reihen 77 und 3071. Im Jahr 1973 wurden die letzten Dampfloks von den neuen Dieselloks der Reihe 2143 ersetzt. Der aufkommende Individualverkehr machte der Lokalbahn aber trotzdem immer mehr zu schaffen.

(Foto: Eisenbahnmuseum Unterretzbach)

Einstellung und Neubeginn

2001 erfolgte die Einstellung des Personenverkehrs auf der Gesamt-strecke sowie des Güterverkehrs von Weitersfeld bis Drosendorf. Einigen engagierten Personen ist es zu verdanken, daß mit dem soge-nannten "Reblaus-Express" seit 2002 wieder ein Ausflugsverkehr an den Wochenenden und Feiertagen der warmen Jahreshälfte statt-findet. 2010 schloß sich der Kreis wieder: Die Strecke Retz-Drosendorf wurde wieder Landesbahn und blickt in eine gesicherte Zukunft.  hier weiterlesen