Bahnhöfe und Ladestellen

Mäandernd von Ort zu Ort

Die Lokalbahn Retz-Drosendorf verbindet nicht etwa geradlinig zwei Punkte miteinander, sondern schlängelt sich von einer zur nächsten Ortschaft dahin.

 Charakteristisch ist, daß man von den meisten Haltestellen und Bahnhöfen den dazugehörigen Ort vom Zug aus gar nicht sehen kann. Zum einen, weil die Bahngründe außerhalb der Orte günstiger zur erstehen waren, auch weil die meisten Orte tiefer als die Bahntrasse liegen. Das ist einerseits dem rauen Klima geschuldet, auch konnten so die angelieferten Güter mit Pferdefuhrwerken einfacher in die Ortschaften transportiert werden.

Der Ausgangspunkt: Retz

Der Bahnhof Retz, noch im Weinviertel gelegen,  liegt an Kilometer 81,397 der Norwestbahnstrecke und bildet zugleich den Anfangspunkt der Lokalbahnstrecke. Nach der Ausfahrt aus Retz geht es zunächst durch die Weinberge, um auf einer kontinuierlichen Steigung auf das Hochplateau des Waldviertels zu gelangen.

Im Waldviertel angekommen

Nach der ehemaligen Haltestelle Hölzelmühle (1927 aufgelassen) und der Haltestelle Hofern hat die Lokalbahn das  Waldviertel erreicht. In Kilometer 9,999 liegt mit Nieder Fladnitz der erste wichtige Kreuzungsbahnhof der Strecke. Bedingt durch ein Sägewerk nächst des Bahnhofes wurde hier viel Stamm- und Schnittholz verladen. Früher gab es in Nieder Fladnitz auch eine Wasserstation mit 9 m³ Fassungsvermögen.

Pleißing-Waschbach

Früher ein Bahnhof, wurde Pleißing-Waschbach in Kilometer 14,353 später eine Haltestelle unbesetzt/Ladestelle (H. u. Lst.). Das Kaolin (Porzellanerde) aus dem nahegelegenen Mallersbach wurde hier auf die Bahn verladen. Pleißing-Waschbach diente weiters der Verladung von Stammholz.

Felder und Silos

 Weitersfeld, der zweite Kreuzungs-Bahnhof und zugleich der größte Bahnhof der Strecke, liegt an Kilometer 17,881. Markant sind hier die Silotürme, die aus der sonst recht flachen Umgebung emporragen. Bis zum Ausbau in den 90er-Jahren gab es hier nur drei Gleise: ein Haupt- Verkehrs- und Magazingleis, was auch die typische Ausstattung eines Lokalbahn-Kreuzungsbahnhofes darstellt. An der Freiladestraße wurden Gneis und Sand aus nahegelegenen Abbaustätten verladen. Unweit des Bahnhofes befindet sich auch ein Sägewerk.

Allein auf weiter Flur

In Kilometer 22,823 folgt die ehemalige Haltestelle Ober Höflein, später eine H. u. Lst. Früher gab es hier ein beidseitig mit Weichen angebundenes Ladegleis mir einer Nutzlänge von 79 Meter und eine Rampe.

Viel Kohle und Signale

Der dritte Kreuzungsbahnhof ist Langau in Kilometer 26,488. Von 1949 bis 1963 wurde in Langau Braunkohle abgebaut, es gab dafür unweit des Bahnhofes eine Verladestelle mit Gleisanbindung. Aus diesem Grund war Langau der einzige Bahnhof der Strecke, der mit Einfahrsignalen ausgestattet war.  Auch Langau besaß eine Wasserstation mit 9 m³ Fassungsvermögen.

Hinter dem Bahnhof befindet sich ein ehemaliges Gasthaus, wo sich bis 1935 auch ein Schwechater-Bierlager befand. Der Gerstensaft wurde per Bahn in Fässern angeliefert und vom Wirten in Flaschen abgefüllt. Die Auslieferung an umliegende Kunden erfolgte anfangs per Pferdefuhrwerk, später mit dem LKW. 

   Aus nahegelegenen Steinbrüchen dürfte auch Marmor und Gneis an der Freiladestraße verladen worden sein. Auch Kalk wurde nahe Langau gewonnen. Neben einem Lagerhaus zählte noch eine Molkerei zu den Bahnkunden, die sogar einen eigenen Gleisanschluß hatte. Über einen engen Bogen wurden Behältertragwagen zugestellt. Der noch heute bestehende Bau wurde 1942 errichtet. Die Molkerei war bis 1972 in Betrieb und fiel dem Trend zu immer größeren Verarbeitungsmengen zum Opfer.

 

Links: Die ehemalige Molkerei in Langau. Bei genauem Hinsehen kann man sogar noch die Reste des Gleisanschlusses im Straßenbelag erkennen.

Rechts: Die ehemalige Verladeanlage (Sieberei) samt Waagenhaus nächst dem Bahnhof Langau. Beide Bilder: November 2005.

Geras-Kottaun

Bahnhof Geras-Kottaun

Eine weiterer ehemaliger Bahnhof ist Geras-Kottaun in Kilometer 31,349. Hier gab es einst ein beidseitig angebundenes Ladegleis mit einer Länge von 139 Meter. Zur Verladung gelangten hier neben dem obligatorischen Holz noch Marmor, Sand, Kies und Kalk.

Von nun an geht´s bergab

Es folgt der Bahnhof Zissersdorf in Kilometer 35,153. Hier gibt es ein Lagerhaus, als Besonderheit kann eine Kreuzungsweiche erwähnt werden, was für Lokalbahnen recht untypisch ist. Neben der für das Waldviertel typischen Rundholzverladung wurde hier am Freiladegleis auch Graphit aus dem nahegelegenen Wollmersdorf in 4ax-Erzwagen verladen und nach Donawitz transportiert. Auch Marmor dürfte hier verladen worden sein.

Happy End

Den Endpunkt der Strecke bildet der Bahnhof Drosendorf in Kilometer 39,835. Hier gab es einst ein Heizhaus mit Wasserturm (15 m³), das aber im Winter 1968/1969 einem Triebwagenbrand zum Opfer gefallen ist. Gegenüber des repräsentativen Aufnahmsgebäudes befindet sich ein Lagerhaus mit ursprünglich drei Schüttrutschen zur Erdäpfel- und Rübenverladung. Das Gebäude besteht seit den 50er-Jahren, die beiden Silotürme wurden 1966 geplant und 1969 fertiggestellt.  In der näheren Umgebung von Drosendorf gab es damals Abbaustätten von Graphit, Marmor, Gneis und Kalk- sicher wird einiges davon den Weg auf die Schiene gefunden haben.  Der Abbau von Alaun wurde jedoch bereits Ende des 16. Jahrhunderts eingestellt.  hier weiterlesen