Volldampf auf der Lokalbahn

Wie in alten Zeiten

Die Ankunft der 77.28 (aus Mistelbach) in Retz. Der Wagensatz wurde aus Wien-Praterstern getrennt überstellt.

Am 3. Juni 2018 befuhr ein Sonderzug der Regiobahn die Lokalbahn Retz-Drosendorf. Und zwar stilecht, mit einer 77er und 5 Spanten. Richtig, fast wie das samstägliche Personenzugpaar RD 31/RD 30 in den 60er Jahren!

Grund genug also, an dieser Veranstaltung als Fahrgast teilzunehmen. Von besonderem Interesse war für mich dabei, wie die Lok, die 77.28 der ÖGEG, mit dem recht anspruchsvollen Streckenprofil zurechtkommt. Bei einer Diesellok mit elektrischer oder hydraulischer Kraftübertragung kann man zwar erahnen, wo an der Strecke Leistung von der Maschine abverlangt wird, doch bei einer Dampflok wird dies viel intensiver erlebbar.

   Geführt von einer recht kundigen Hand, hatte die Lok über weite Strecken leichtes Spiel mit der Garnitur. Ja, man war fast geneigt zu sagen, die Lok "spielt" sich mit dem Zug. Was ja auch bei einer indizierten Leistung von etwa 1200 PS nicht wirklich verwunderlich ist. Solange die Schienen trocken sind jedenfalls...

 

Schwer zu arbeiten hatte die Lok bei der Ausfahrt aus Weitersfeld. Gleich nach der letzten Weiche beginnt eine kurze, aber heftige Steigung. Man konnte die "Anstrengung" der Maschine förmlich spüren. Dennoch war der Zug kurz darauf wieder auf Geschwindigkeit gebracht- ohne Schleudern.

   Auch die Anfahrt aus dem "Anglerparadies Hessendorf", aus einer 14-Promille Steigung, gelang dem Mann am Regler auf Anhieb und ohne Schleudern, durchaus eine anerkennenswerte Leistung!

   Eine richtige Freude war es zu erleben, wie leichtfüßig die Lok auf den ebenen Abschnitten beschleunigte und den Zug scheinbar mühelos durchs Land zog. Bei der Rückfahrt, Tender voraus, war die Ausfahrt aus Drosendorf jener Moment, wo wieder richtig Leistung von der alten Dame abverlangt wurde. Fast im Schrittempo, aber auch hier wieder ohne Schleudern, wurde die Steigung bezwungen.

 

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, trotz kleinerer Friktionen beim Wasserfassen auf der Hinfahrt. Besonders hervorzuheben ist wie immer die Fahrgastbetreuung durch Herrn Alfred Polt, der den Fahrgästen auf gewohnt fachkundige, interessante und humorvolle Art die Lokalbahnstrecke und deren nähere Umgebung näherbrachte. Auch der Wettergott war der Veranstaltung gnädig- abgesehen von ein paar Regentropfen kurz vor Mittag herrschte perfektes Wetter.

Die nachfolgenden Bilder sind natürlich nur Schnappschüsse, lassen aber durchaus das Flair dieser Sonderfahrt erahnen.

Die Meute steht bereit...

Landschafts-Impressionen

Ankunft in der Haltestelle Anglerparadies Hessendorf

Ankunft in Langau. Für frisches Wasser sorgte schließlich die örtliche Feuerwehr.

Dort wurde auch gleich die Kreuzung mit der "normalen" Reblaus-Express-Garnitur abgewartet und zu diesem Zweck auf Gleis 3 umgesetzt.

Kurz vor dem ehemaligen Bahnhof Geras-Kottaun

Vor der Rückfahrt nach Retz setzte die Garnitur von Gleis 3a aufs "1er-Gleis" um.

Der Sonderzug kurz vor der Rückfahrt nach Retz

Auf rascher Fahrt Richtung Weitersfeld

In Weitersfeld wurde die Kreuzung mit dem Reblaus-Express abgewickelt. Das Bild zeigt die 77.28 vor dem alten Lagerhaus.